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News

03.03.2010

Lebhafte Debatte in Berlin um Solarenergienutzung im denkmalgeschützten Bestand

Mit rund 120 Gästen aus Architektur, Planung, Denkmalpflege und Presse ging die Diskussion um Solarenergienutzung im denkmalgeschützten Bestand am 18. Februar 2010 in die 2. Runde.

Stand bei der ersten Podiumsdiskussion im September 2008 das Einzeldenkmal im Vordergrund, so wurde diesmal im Atrium der Deutschen Kreditbank AG  mehr über die Probleme und Konflikte diskutiert, die in Kommunen wie Gießen, Marburg oder Erfurt entstehen. Städte in dieser Größenordnung verfügen in Deutschland oft noch über geschlossene Altstadtensembles sowie homogene Dachlandschaften und stellen deshalb einen besonderen baukulturellen Wert dar.

Da aber immer mehr Denkmalbesitzer unter Sanierungsdruck stehen und diese bei anstehenden Modernisierungen auch erneuerbare Energien einsetzen möchten, wächst der Handlungsdruck der Denkmalbehörden, für beide Seiten verträgliche Regelungen zu finden. Aber auch kommunale Vertreter fühlen sich verstärkt dem Gedanken des Klimaschutzes verbunden und wollen lokal - oftmals im Verbund mit imagebildenden Aktionen wie der Kampagne Solarbundesliga -  Projekte umsetzen, die auch den besonders geschützten Baubestand betreffen.

Dass in der Diskussion zwischen Klima- und Denkmalschutz bisweilen noch Welten aufeinanderprallen, zeigten Publikumsreaktionen im Umfeld der Diskussion, aber auch manche Beiträge der Referentinnen und Referenten auf dem Podium.
So  waren Positionen zu hören, die der Denkmalpflege angesichts der drohenden Klimaerwärmung überhaupt eine Zukunft absprechen, da jede Möglichkeit, sprich jedes  Dach genutzt werden muss, um umweltfreundliche Energie zu erzeugen.
Andererseits lehnen manche Vertreter der Denkmalseite pauschal jede Modernisierung denkmalgeschützter Bauten ab, die die sichtbare Nutzung von erneuerbaren Energien einbezieht.

Neben Rechtsanwalt und Eurosolarvorstand Dr. Fabio Longo vertrat Johann Gerdenitsch, Solarbeauftragter der Stadt Fürth, die Solarseite. Die Kommune verfügt einerseits über besonders viel Denkmalbestand, ist andererseits aber unter ihrem derzeitigen Bürgermeister Dr. Thomas Jung auch in der Altstadt besonders aktiv bei der Suche nach geeigneten Flächen für Solarenergienutzung. Das Ziel ist es, in der Stadt einen Zubau von jährlich 1000 KW Leistung durch Solarstrom zu erreichen.

Während Herr Longo immer wieder betonte, dass sowohl Klimaschutz als auch Denkmalschutz öffentliche Interessen sind, die es gegeneinander abzuwägen gilt, hob Dr. Ruth Klawun vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege die besondere Verantwortung der Behörde hervor: In Anbetracht des geringen Anteils der denkmalgeschützten Gebäude in Deutschland ist die Substanz dieser Gebäude die Quelle dessen, was der Nachwelt übermittelt werden müsse.

Für die Denkmal- bzw. Architekturseite saß außerdem Prof. Petra Kahlfeldt auf dem Podium, die anmahnte, über einen erweiterten Ansatz zum Thema Nachhaltigkeit nachzudenken. Denkmalpflege sei per se Ressourcenschutz. Reparatur und Ersatz mit lokal vorhandenen Baustoffen schonten die Umwelt am meisten.

Prof. Nikolaus Zieske, nach einem sehr informativen Einführungsvortrag ebenfalls Podiumsteilnehmer, vertrat eine pragmatische Haltung: Solarnutzung sollte im Einzelfall nach sorgfältiger Prüfung zugelassen werden, Solarsatzungen lehnt er aber auf Grund der Potenziale im nicht geschützten Bestand ab.

In der von Nikolaus Bernau (Berliner Zeitung) moderierten rund 2,5 Stunden dauernden Veranstaltung ist es sicherlich gelungen, die zum Teil verfestigten Positionen sowohl auf Seiten der Denkmalpflege, als auch auf Seiten der Solarlobby zu lockern, neue Denkanstöße zu geben und die Diskussion überhaupt in größerem Maßstab in Gang zu bringen. Der Bereich Denkmalpflege und Solarenergie scheint zwar zunächst ein schmales und sehr spezielles Segment zu sein. Überprüft man allerdings die Anwendbarkeit der Solarenergienutzung an diesem besonders sensiblen Feld, lassen sich hervorragende Erkenntnisse für den Umgang mit dem gesamten, insbesondere bis in die 1930er Jahre hinein entstandenen Baubestand ableiten.

Die Bilder der Debatte finden Sie hier.

 
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